Plastik im Körper
Aufnahme, Verbleib und Nachweis
Wie gelangt Mikroplastik in unseren Körper?
Studien zeigen, dass Menschen in Industrieländern durchschnittlich etwa fünf Gramm Mikroplastik pro Woche aufnehmen – das entspricht in etwa dem Gewicht einer Kreditkarte. Mikroplastik gelangt über Nahrung, Wasser und Luft in den Körper. Besonders betroffen sind:
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Trinkwasser, vor allem aus Plastikflaschen
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Meeresfrüchte und Salz
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Obst, Gemüse und andere Lebensmittel
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Luft, durch das Einatmen kleinster Partikel
Aktuelle Untersuchungen deuten darauf hin, dass wir allein über die Luft täglich zehntausende Mikroplastikpartikel inhalieren können – deutlich mehr als bisher angenommen.
Aufnahme fettlöslicher Plastikbestandteile
Viele Zusatzstoffe in Kunststoffen, wie Phthalate, sind fettlöslich. Sie können leicht über fetthaltige Lebensmittel in den Körper gelangen – besonders, wenn Verpackungen mit Nahrung in Kontakt kommen. Hitze und Säure fördern zusätzlich die Freisetzung solcher Substanzen.
Verbleib im Körper
Nach der Aufnahme können sich Mikroplastikpartikel in verschiedenen Organen ablagern:
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Darm – viele Partikel werden ausgeschieden, einige gelangen in den Körper
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Lunge – kleinste Partikel können dort verbleiben
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Leber und Nieren – messbare Mengen wurden gefunden
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Gehirn – besonders kleine Partikel können die Blut-Hirn-Schranke überwinden
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Plazenta – Mikroplastik kann von der Mutter auf das ungeborene Kind gelangen
Im Darm und über die Atemwege werden größere Partikel teilweise wieder ausgeschieden. Nanoplastik hingegen kann sich langfristig in Gewebe anreichern, da natürliche Abbauwege fehlen.
Potenzielle gesundheitliche Auswirkungen
Mikroplastik kann:
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Zellmembranen mechanisch schädigen → Entzündungsreaktionen
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Mit Immunzellen interagieren → Blutflussstörungen
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Sich langfristig in Organen anreichern
Die genauen Folgen, insbesondere für kleine Nanopartikel, sind noch Gegenstand intensiver Forschung.
Wie viel Plastik nehmen wir tatsächlich auf?
Die häufig zitierte Zahl von fünf Gramm pro Woche stammt aus einer Metastudie der University of Newcastle (2019). Die Forscher werteten 51 Studien zu verschiedenen Mikroplastikquellen aus.
Wichtig: Methoden und Messgrößen der Einzelstudien unterscheiden sich stark. Die tatsächliche Aufnahme kann daher variieren, vor allem für sehr kleine Partikel. Die Zahl dient als Richtwert, nicht als exakte Messung.
Nachweis von Mikroplastik
Mikroplastik wird mit speziellen Methoden in Proben identifiziert:
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Filtration und Dichte-Trennung, um Partikel aus Wasser oder Lebensmitteln zu isolieren
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Mikroskopie (Licht- oder Elektronenmikroskop) zur Quantifizierung und Größenbestimmung
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Spektroskopische Verfahren wie FTIR oder Raman-Spektroskopie zur Bestimmung des Kunststofftyps
Nachweisbar sind Partikel von 1 Mikrometer bis 5 Millimeter, während Nanoplastik technisch schwer zu erfassen ist.
Mikroplastik in der Plazenta
Studien haben gezeigt, dass Mikroplastik die Plazenta überwinden kann. Partikel wurden sowohl in der mütterlichen als auch in der fetalen Seite sowie in der Membran nachgewiesen. Dies bedeutet, dass das ungeborene Kind bereits im Mutterleib Plastikpartikeln ausgesetzt sein kann. Die langfristigen gesundheitlichen Folgen sind noch unklar, doch das Risiko einer Frühbelastung ist nach aktuellem Forschungsstand gegeben.
Fazit
Mikroplastik ist allgegenwärtig und gelangt über Nahrung, Wasser und Luft in unseren Körper. Während größere Partikel teilweise ausgeschieden werden, können kleinere Partikel über längere Zeit in Organen verbleiben. Die gesundheitlichen Risiken sind noch nicht vollständig erforscht. Deshalb sollten die kommunizierten Belastungswerte als ungefähre Richtwerte betrachtet werden.
