Chelattherapie

Ausleitung von Schwermetallen

Das Wichtigste in Kürze

Die Chelattherapie ist ein medizinisches Verfahren, bei dem bestimmte Schwermetalle im Körper gebunden und über die Nieren ausgeschieden werden können

Behandlungsdauer: Etwa 60–90 Minuten
Therapieform: Infusion mit Chelatbildnern
Ziel der Behandlung: Bindung und Ausleitung bestimmter Schwermetalle
Behandlungsumfang: Individuell je nach Belastung und Diagnose

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Chelattherapie?

Vanessa Inusperese

Die Chelattherapie ist ein Verfahren, bei dem bestimmte chemische Verbindungen – sogenannte Chelatbildner – verwendet werden, um Metalle im Körper zu binden.

Diese Chelatbildner können sich mit Metallen wie beispielsweise Blei, Quecksilber oder Cadmium verbinden. Die gebundenen Metalle werden anschließend über die Nieren ausgeschieden.

Die Therapie wird seit vielen Jahren in der Medizin eingesetzt, insbesondere bei nachgewiesenen Schwermetallbelastungen.

Schwermetalle und ihre Bedeutung für den Körper

Toxische Metalle können auf verschiedenen Wegen in den Körper gelangen, zum Beispiel über:

  • Umweltbelastungen

  • Industrielle Chemikalien

  • Belastete Lebensmittel

  • Trinkwasser

  • Frühere Amalgamfüllungen

Im Körper können sich diese Metalle in unterschiedlichen Geweben anreichern. In wissenschaftlichen Untersuchungen wird diskutiert, welche Rolle Umweltgifte bei chronischen Entzündungen, Stoffwechselstörungen oder anderen Erkrankungen spielen können.

Ein Beispiel hierfür ist Arsen, das in Studien mit verschiedenen Stoffwechselprozessen in Verbindung gebracht wird.

Umweltgifte Amalgam

Wie funktioniert die Chelattherapie?

Behandlungszimmer Biologicum Hamburg Inuspherese

Bei der Chelattherapie wird ein sogenannter Chelatbildner über eine Infusion verabreicht. Dieser Wirkstoff zirkuliert im Blut und kann dort bestimmte Metallionen binden. Durch diese Bindung entstehen sogenannte Chelatkomplexe, die vom Körper leichter über die Nieren ausgeschieden werden können.

Der Ablauf der Therapie umfasst in der Regel mehrere Schritte:

Diagnostik
Vor Beginn der Behandlung erfolgt eine ärztliche Untersuchung, um eine mögliche Belastung mit Schwermetallen zu beurteilen.

Infusion des Chelatbildners
Der Chelatbildner wird über eine Infusion verabreicht und verteilt sich über den Blutkreislauf im Körper.

Bindung von Metallionen
Der Wirkstoff bindet bestimmte Metalle im Blut und bildet stabile Komplexe.

Ausscheidung über die Nieren
Die gebundenen Metalle werden anschließend über den Stoffwechsel und die Nieren ausgeschieden.

Eine Behandlung dauert in der Regel etwa 60 bis 90 Minuten. Die Anzahl der Sitzungen richtet sich nach der individuellen Belastung und dem jeweiligen therapeutischen Ziel.

Mögliche Anwendungsbereiche der Chelattherapie

Nachgewiesene Belastungen mit Schwermetallen wie Blei, Quecksilber, Cadmium oder Arsen.

Umweltmedizinische Belastungen durch toxische Metalle.

Chronische Entzündungsprozesse, bei denen Umweltgifte eine Rolle spielen können.

Stoffwechselstörungen, bei denen Schwermetalle als möglicher Einflussfaktor diskutiert werden.

Wissenschaftliche Hintergründe und Studien

In der wissenschaftlichen Forschung wird zunehmend untersucht, welche Rolle Umweltgifte und Schwermetalle bei verschiedenen chronischen Erkrankungen spielen können. Dabei stehen unter anderem Gefäßerkrankungen und Stoffwechselstörungen im Fokus der Forschung.

Im Folgenden finden Sie zwei Beispiele aus wissenschaftlichen Untersuchungen.

Arteriosklerose und Gefäßerkrankungen

In verschiedenen Studien wird untersucht, ob toxische Metalle an Prozessen beteiligt sein können, die zur Entstehung von Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose) beitragen. Schwermetalle können beispielsweise oxidativen Stress und Entzündungsreaktionen beeinflussen, die eine Rolle bei Gefäßveränderungen spielen.

In der sogenannten TACT-Studie (Trial to Assess Chelation Therapy) wurde untersucht, ob eine Chelattherapie bei Patientinnen und Patienten nach einem Herzinfarkt einen Einfluss auf kardiovaskuläre Ereignisse haben kann. Dabei fanden sich Hinweise darauf, dass bei bestimmten Patientengruppen – insbesondere bei Menschen mit Diabetes – eine geringere Rate kardiovaskulärer Ereignisse beobachtet wurde. Die Ergebnisse werden weiterhin wissenschaftlich untersucht und diskutiert.

 

Quelle: doi.org/10.1016/j.ahj.2022.05.013

Diabetes und Stoffwechselerkrankungen

Ein weiterer Forschungsbereich beschäftigt sich mit der möglichen Rolle von Umweltgiften und Schwermetallen bei Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes.

Beispielsweise wurde in wissenschaftlichen Untersuchungen das Metall Arsen mit Veränderungen im Glukosestoffwechsel und einem erhöhten Risiko für Diabetes in Verbindung gebracht. In diesem Zusammenhang wird auch untersucht, ob Umweltbelastungen langfristig Stoffwechselprozesse beeinflussen können.

Die genauen Zusammenhänge werden weiterhin wissenschaftlich erforscht.

 

Quelle: doi.org/10.1161/CIRCOUTCOMES.113.000663

Weitere Studien?

Die hier gezeigten Ergebnisse stellen nur eine Auswahl wissenschaftlicher Untersuchungen dar.
Weitere Studien, Veröffentlichungen und Hintergrundinformationen haben wir in unserer
Studiensammlung für Sie zusammengestellt.

Häufige Fragen zur Chelattherapie

Ist die Chelattherapie sicher?

Die Chelattherapie ist ein medizinisches Verfahren, das seit vielen Jahren insbesondere zur Behandlung von Schwermetallvergiftungen eingesetzt wird. Die Behandlung sollte immer unter ärztlicher Aufsicht und nach entsprechender Diagnostik erfolgen.

Wie lange dauert eine Behandlung?

Eine Chelattherapie erfolgt in der Regel über eine Infusion, die meist etwa 60 bis 90 Minuten dauert.

Wie viele Behandlungen sind notwendig?

Die Anzahl der Sitzungen richtet sich nach der individuellen Belastung mit Schwermetallen sowie dem jeweiligen therapeutischen Ziel. Dies wird im Rahmen eines ärztlichen Gesprächs festgelegt.

Welche Metalle können mit der Chelattherapie behandelt werden?

Chelatbildner können sich unter anderem mit Metallen wie Blei, Quecksilber, Cadmium oder Arsen verbinden. Die gebundenen Metalle können anschließend über den Stoffwechsel ausgeschieden werden.

Wann ist eine Chelattherapie sinnvoll?

Eine Chelattherapie wird vor allem dann in Betracht gezogen, wenn eine erhöhte Belastung mit Schwermetallen festgestellt wurde. Ob eine Behandlung sinnvoll ist, wird immer individuell durch eine ärztliche Untersuchung entschieden.